Singzeit – eine Woche mit deiner Stimme

Vielleicht kennst du das: Du willst regelmäßig singen üben. Wirklich.

Aber sobald du üben willst, kommt die Frage: Was genau soll ich jetzt machen?

Und zack bist du wieder im Kopf.

Welche Übungen sind sinnvoll? In welcher Reihenfolge? Und wie lange?

Du googlest, speicherst Übungen, probierst was aus, machst viele verschiedene Übungen auf einmal (oft ohne genau zu wissen, was diese Übungen eigentlich bewirken) – und nach ein paar Tagen ist die Luft raus.

Nicht, weil du keine Lust hast, sondern weil dir ein klarer und vor allem alltagstauglicher Rahmen fehlt.

Trust me, ich kenne das so gut und genau deshalb gibt es „Singzeit“. In „Singzeit“ bekommst du regelmäßig eine klare Struktur, eine Art Wochenplan, den du einfach übernehmen kannst. Das ewige Übungen raussuchen hat also ein Ende und du kannst sofort loslegen.

Singzeit ist kein starres Programm.
Sondern ein Angebot:
Du nimmst dir zwischen 10 und 30 Minuten und wählst die Bausteine, die an diesem Tag für dich passen.

Manchmal ist es nur das Warm-up.
Manchmal machst du ein oder zwei Übungen.
Und wenn du Zeit und Energie hast, gehst du den ganzen Ablauf durch.

Das Wichtigste in Kürze

Viele bleiben beim Singen nicht dran, weil sie nicht wissen, wie sie eine Übesession sinnvoll aufbauen sollen oder sich zu viel auf einmal vornehmen.

Singzeit gibt dir einen klaren, flexiblen Rahmen, den du mit 10 bis 30 Minuten pro Einheit in deinen Alltag integrieren kannst. Die Übesession besteht aus fünf Bausteinen: Warm-up & Tension Release, Atmung & Support, Stimmlippenschluss, Bruststimme und Kopfstimme. Du kannst die Bausteine je nach Zeit und Energie kombinieren oder auch nur einzelne Teile nutzen – auch ein kurzes Warm-up zählt als Training.

Ziel ist keine schnelle Leistungssteigerung, sondern eine stabile, wiederholbare Struktur, mit der du regelmäßig und sinnvoll übst..

Für wen diese „Singzeit“ gedacht ist

Diese Woche ist sinnvoll für dich, wenn du:

  • regelmäßig üben willst
  • unsicher bist, wie eine sinnvolle Übesession aufgebaut ist
  • nach dem Einsingen oft nicht weißt, was du danach machen sollst
  • deine Stimme insgesamt stabiler und ausgeglichener trainieren möchtest

Es geht hier nicht um schnelle Effekte oder spektakuläre Fortschritte,
sondern um Verlässlichkeit und Wiederholbarkeit.

Dauer & Aufbau der „Singzeit“

Diese Singzeit ist bewusst flexibel aufgebaut.

Du brauchst keinen festen Zeitpunkt, keine perfekte Vorbereitung und auch nicht jedes Mal 30 Minuten am Stück.
Je nach Tag, Energie und Zeit kannst du dir genau das nehmen, was gerade möglich ist.

Richtwert: 10–30 Minuten.

So kannst du die Singzeit nutzen:

  • ca. 10 Minuten
    Warm-up & Tension Release
    → reicht vollkommen an stressigen Tagen
  • ca. 20 Minuten
    Warm-up + ein bis zwei weitere Bausteine
    (z. B. Atmung/Support oder eine Registerübung)
  • ca. 30 Minuten
    der komplette Ablauf von oben bis unten

Wichtig:
Du musst nicht alles machen, damit es zählt.
Diese Singzeit funktioniert genau deshalb, weil du sie an deinen Alltag und dein Energielevel anpassen kannst.

Wie oft und wie lange Singen wirklich sinnvoll ist, habe ich hier ausführlich erklärt:
👉 Wie oft solltest du singen üben – und wie lange pro Tag?

Baustein #1: Warm-up & Tension Release

(ca. 5–10 Minuten – kann auch allein stehen)

Bevor du an Tonhöhen, Register oder Klang arbeitest, sollte dein Körper bereit sein.

Viele überspringen diesen Teil –
und wundern sich später über Druck, Enge oder schnelle Ermüdung.

Ein Körper- & Stimm-Warm-up ist die absolute Grundlage für eine freie, leichte und schöne Stimme.

Wenn du nur 10 Minuten Zeit hast, dann mach nur diesen Teil.
Das reicht.

Ziel hier ist nicht „perfekt einsingen“,
sondern:

  • unnötige Spannung im Kiefer, Nacken und Zungenbereich reduzieren
  • das Nervensystem in einen regulierten Zustand bringen
  • die Stimme sanft aktivieren

Wenn du dir dafür eine klare Struktur wünschst, kannst du dir hier meine Warm-up-Checkliste herunterladen.
Sie führt dich Schritt für Schritt durch diesen Teil.

Baustein #2: Atmung & Support

(ca. 5 Minuten)

In diesem Abschnitt geht es darum, die Atmung und die Tongebung besser aufeinander abzustimmen.

Viele versuchen beim Singen „mehr zu stützen“
und erzeugen dabei unbewusst Spannung im Bauch oder im Hals.
Darum geht es hier nicht.

Ziel ist eine ruhige, gleichmäßige Ausatmung,
bei der der Luftstrom stabil bleibt und der Hals nicht zusätzlich arbeiten muss.

Dafür eignen sich einfache Konsonanten wie:

  • S, Sch oder F – als gleichmäßige Ausatmung
  • Pst – als kurze, klar gesetzte Impulse

Diese Laute erzeugen einen natürlichen Widerstand im Luftstrom.
Dadurch wird die Atemmuskulatur leicht aktiviert,
ohne dass du bewusst „drücken“ oder etwas festhalten musst.

Worauf du achten solltest:

  • Die Schultern bleiben tief und entspannt
  • Der Bauch wird nicht aktiv nach außen gepresst.
  • Im Hals entsteht kein Druckgefühl.

Baustein #3: Stimmansatz & Koordination

(ca. 2 Minuten)

Hier geht es um die Koordination des Stimmansatzes – also darum, wie effizient die Stimmlippen beim Singen in Kontakt kommen.

Wenn zu viel Luft entweicht, klingt der Ton hauchig und instabil.
Wenn zu viel Druck entsteht, wird der Klang hart und angestrengt.

Ziel ist ein klarer, fokussierter Ton –
ohne Pressen.

Eine einfache Übung dafür ist:

  • Vocal Fry

Falls du mit dem Begriff nichts anfangen kannst:
Vocal Fry ist dieses knarzige, sehr tiefe Geräusch. Viele kennen es vom morgendlichen „Stimm-Knarzen“ oder von diesem leicht knarzigen Sprechen am Satzende oder -anfang.

Beginne im Vocal Fry ganz leise und mit so wenig Anstrengung wie möglich.
Lass daraus ein „Yau“ entstehen, ohne die Lautstärke zu erhöhen oder Druck aufzubauen.

Wichtig ist:

  • Es bleibt leise.
  • Du schiebst nichts nach.
  • Der Klang entsteht aus Koordination, nicht aus Kraft.

Beachte außerdem: Vocal Fry eignet sich besonders bei luftiger, instabiler Stimme. Wenn deine Stimme eher fest oder gepresst klingt, wähle stattdessen eine sanfte „V“ oder „Z“-Übung.

Baustein #4: Bruststimme

(ca. 5 Minuten)

Jetzt arbeiten wir bewusst in der Bruststimme.

Die Bruststimme ist der Bereich, in dem wir auch sprechen.

Wenn du unsicher bist, was genau mit Bruststimme gemeint ist und wie sie funktioniert, lies dir gern meinen ausführlichen Artikel dazu durch:
👉 Bruststimme trainieren [umfangreicher Guide inkl. Übungen]

Für diese Singzeit reicht Folgendes:

  • „Ba“ auf einer 5-Ton-Leiter aufwärts

Warum „Ba“?

  • Das B sorgt für einen klaren Tonansatz und hilft für einen guten Stimmlippenschluss
  • Das A öffnet den Klang, verhindert unnötige Enge und ist ein super Vokal für die Bruststimme

Worauf du achten solltest:

  • Der Ton startet klar, aber nicht hart.
  • Du wirst nicht automatisch lauter, wenn es höher geht.

Bleib in einer Tonlage, die sich gut anfühlt.
Sobald du merkst, dass du drücken musst geh wieder etwas tiefer.

Baustein #5: Kopfstimme

(ca. 5 Minuten)

Als Ausgleich zur Bruststimme arbeiten wir jetzt in der Kopfstimme.

Die Kopfstimme ist für viele ein unsichererer Bereich. Einfach, weil wir sie im Alltag beim Sprechen kaum nutzen.
Und genau deshalb sollte sie regelmäßig trainiert werden.

Eine gut koordinierte Kopfstimme sorgt dafür, dass hohe Töne nicht gedrückt werden müssen und Übergänge (aka Mischstimme) später leichter funktionieren.

  • „Bwup“ auf einer 5-Ton-Leiter abwärts

Warum abwärts?

Weil es vielen leichter fällt, die Kopfstimme von oben nach unten zu stabilisieren. Von oben nach unten wird oft zu viel „gedrückt“.

Das B gibt dem Ton einen klaren Start,
das wup hilft, die Stimme nicht festzuhalten.

Wichtig ist, das w englisch auszusprechen. Das fühlt sich an, als würde man den Ton ganz leicht nach oben „schießen“ lassen.

Worauf du achten solltest:

  • Der Klang bleibt leicht.
  • Du versuchst nicht, ihn lauter zu machen
  • Kein Druck im Hals, es darf sich leicht anfühlen

Langfristig sorgt die Übung an deiner Kopfstimme dafür, dass deine Stimme insgesamt ausgeglichener wird.

Du brauchst einen machbaren Plan

Ganz ehrlich:
Die meisten bleiben nicht dran, weil sie zu wenig Motivation haben.

Sondern weil sie sich zu viel vornehmen.

Zu viele Übungen.
Zu hohe Erwartungen.
Zu wenig Klarheit, was heute wirklich dran ist.

Singzeit soll es einfacher machen.

Nicht spektakulär.
Nicht perfekt.
Sondern machbar.

Wenn du diese Woche nur das Warm-up machst, ist das kein „zu wenig“.
Es ist eine saubere Basis.

Wenn du 5 Minuten schaffst, super.
Wenn du einmal komplett durchgehst, auch gut.

Es geht nicht darum, dich zu stressen.
Sondern darum, eine Struktur zu haben, zu der du jeden Tag zurückkommen kannst.

Und wenn du beim Üben merkst:
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig mache.“
Oder:
„Irgendwas fühlt sich komisch an, aber ich weiß nicht, warum.“

Dann ist genau dafür die Probestunde da.

Wir schauen uns deine Stimme konkret an, gehen die Übungen gemeinsam durch und passen sie so an, dass sie zu dir und deinem aktuellen Stand passen.

Ich freu mich, dich kennenzulernen. 🤍

Über die Autorin

Gesangscoach stellt sich vor

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