Selbstvertrauen stärken durch Singen [die etwas andere Herangehensweise]

Zusammenfassung: In diesem Artikel geht es darum, wie du dein Selbstvertrauen stärken kannst – nicht über klassischen Mindset-Kram, sondern über zwei Grundlagen, die oft übersehen werden: Körperbewusstsein und deine Stimme. Ich zeige dir, warum echte Sicherheit im Körper entsteht, wie Singen dich automatisch dorthin bringt und warum Gesangsunterricht dabei so viel tiefer wirkt, als viele denken.

Irgendwie wünschen wir uns doch alle mehr Selbstvertrauen, oder?

Nur fühlt sich vieles, was man darüber so liest oder hört, oft ziemlich oberflächlich an. Mindset-Tipps, „geh aus deiner Komfortzone“, „sei mutig“, „mach einfach mal“ – ja, klar. Kann helfen. Aber meistens bleibt da etwas offen.

Ich habe irgendwann gemerkt: Selbstvertrauen entsteht nicht einfach so.
Für mich hängen zwei Dinge besonders stark damit zusammen:

1. Wie gut ich meinen Körper wahrnehmen kann
2. Wie sicher ich mich in meiner eigenen Stimme fühle

Und genau darüber möchte ich heute schreiben.

Was ist Selbstvertrauen eigentlich?

Bevor wir starten, lass uns kurz klären, worüber wir eigentlich reden.
Was ist Selbstvertrauen?

Kurz gesagt: das Vertrauen in uns selbst.

(Ziemlich offensichtlich, ich weiß.)

Nur… die Wörter Selbstbewusstsein, Selbstwert, Selbstvertrauen werden so oft durcheinander geworfen, dass man manchmal gar nicht mehr weiß, was was ist. Ich hab das früher genauso gemacht. Und ehrlich gesagt hat mir das Verständnis darüber später ziemlich geholfen, mir selbst klarer zu werden.

Für mich ist der wichtigste Unterschied:

Selbstbewusstsein bedeutet, sich selbst bewusst zu sein.
Also: Ich kenne mich. Ich weiß, wie ich fühle, was mich triggert, was ich brauche.

Viele verwechseln das mit Confidence – diesem starken Auftreten, Charisma, Präsenz.

Kann zusammenhängen, muss aber nicht.

Ich zum Beispiel war schon immer sehr selbstbewusst, einfach weil ich mich früh viel mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt habe.
Trotzdem hatte ich lange wenig Selbstvertrauen.

Das schließt sich also nicht aus.

Und genau hier kommt für mich die erste Grundlage ins Spiel:

Selbstvertrauen stärken #1: Bewusstsein über unseren Körper

Ich habe irgendwann gemerkt, wie sehr wir im Alltag eigentlich „oben“ leben.
Im Kopf. Im Denken. Im Analysieren.
Wir verstehen uns gut – aber wir fühlen uns oft nicht.

Und das meine ich nicht esoterisch, sondern ganz praktisch:

Viele spüren ihren Körper erst dann, wenn es richtig unangenehm wird. Stress. Enge. Druck.
Dazwischen ist oft wenig Kontakt.

Dabei entsteht genau dort, im Körper, das Gefühl von Sicherheit.
Und Sicherheit ist die Grundlage für Selbstvertrauen.

Denn… wie soll ich mir selbst vertrauen, wenn ich meinen Körper kaum wahrnehme?
Wie soll mein Körper mir vertrauen, wenn ich ständig über ihn hinweggehe oder ihn komplett ausblende?

Mir ist das erst so richtig bewusst geworden, als ich gemerkt habe, wie unterschiedlich ich mich fühle, je nachdem ob ich bei mir bin oder komplett im Kopf schwebe.
Und das passiert schneller, als man denkt:

  • Wir hetzen von A nach B
  • Wir machen Sport, aber ohne wirklich zu merken, wie wir uns bewegen
  • Wir halten den Atem an, ohne es zu merken
  • Wir sind angespannt, ohne zu wissen warum

Unser Körper spricht ständig mit uns – wir sind nur oft nicht mehr gewohnt, zuzuhören.

Und jetzt kommt der Bogen zum Singen.

Beim Singen passiert etwas, das kaum eine andere Tätigkeit so direkt auslöst:
Du musst deinen Körper wahrnehmen.

Nicht im Sinne von „streng dich an“, sondern weil singen ohne Körperbewusstsein gar nicht funktioniert:

  • Du atmest anders
  • Du nimmst deine Haltung wahr
  • Du spürst Räume in dir, die du im Alltag kaum beachtest
  • Du merkst, wo du Spannung hältst
  • Du spürst, wenn etwas weicher wird
  • Du bist automatisch im Hier und Jetzt

Es ist, als würde dein Körper sagen: „Hey, da bin ich übrigens auch noch.“

Und genau dieser Kontakt – die Verbindung zwischen dir und deinem Körper – baut Vertrauen auf.
Nicht über Worte.
Nicht über Logik.
Sondern über Erfahrung.

Selbstvertrauen ist eben nicht nur ein Gedanke.
Es ist ein Gefühl.

Und Gefühle entstehen im Körper.

Selbstvertrauen stärken #2: Die eigene Stimme bewusst einsetzen können

Der zweite Punkt klingt auf den ersten Blick vielleicht überraschend – aber er ist mindestens genauso kraftvoll:

Wie wir unsere Stimme nutzen, beeinflusst, wie sicher wir uns fühlen.
Und wie sicher wir uns fühlen, beeinflusst wiederum unsere Stimme.

Stimme ist ehrlich.
Vielleicht ehrlicher als alles andere.

Du kennst das bestimmt selbst:
Man kann fachlich top vorbereitet sein, super viel zu sagen haben – und trotzdem bricht die Stimme weg, wird leise, zittert, zieht sich zurück.

Nicht, weil man nichts kann.
Sondern weil innerlich etwas sagt: „Ich fühle mich gerade nicht sicher.“

Und das Spannende ist:
Sobald wir anfangen, bewusster mit unserer Stimme zu arbeiten, passiert etwas im Nervensystem.
Es beruhigt sich.
Es richtet sich aus.
Es wird klarer.

Ich erlebe das so oft im Unterricht:
Der Moment, in dem eine Schülerin merkt:

„Oh… ich kann meine Stimme beeinflussen. Ich kann sie halten. Ich kann lauter sein, wenn ich das will. Ich kann klarer sein.“

Das ist ein unglaublicher Vertrauensmoment.

Nicht, weil es perfekt klingt.
Nicht, weil es laut ist.
Sondern weil etwas im Inneren sagt:
„Ich kann mich ausdrücken. Ich habe Einfluss. Ich bin nicht ausgeliefert.“

Und genau das ist Selbstvertrauen.

Was noch dazu kommt:
Unsere Stimme ist unser Kommunikationsmittel in der Welt.

Über die Stimme:

  • sagen wir, was wir brauchen
  • setzen wir Grenzen
  • zeigen wir Präsenz
  • kommen wir in Kontakt mit anderen
  • und mit uns selbst

Wenn die Stimme eng ist, klein, unsicher, sind wir das oft innerlich auch.
Wenn die Stimme Raum bekommt, bekommt auch die innere Welt mehr Raum.

Und das Schöne:
Man muss keine Sängerin sein, um das zu erleben.
Es reicht, bewusst zu spüren:

Wie klingt meine Stimme, wenn ich mich sicher fühle?
Und wie klingt sie, wenn ich mich klein mache?

Das alleine kann schon unglaublich viel verändern.

Wie Singen beide Grundlagen verbindet [und warum Gesangsunterricht so tief wirkt]

Und genau deswegen ist Singen so viel mehr als „schön klingen“.
Es verbindet zwei Dinge, die für Selbstvertrauen entscheidend sind:

  • Körperwahrnehmung
  • Nervensystem Regulation
  • Ausdruck
  • Präsenz
  • Verbindung zu dir selbst
  • und dieses innere Gefühl von Sicherheit

Singen holt dich in den Körper und gibt dir Zugang zu deiner Stimme.
Und damit genau zu den beiden Bereichen, die Einfluss auf dein Selbstvertrauen haben.

Was viele nicht wissen:
Mein Gesangsunterricht ist nicht einfach „wir üben Technik“.
Also ja, ich liebe Technik (und ich kann sie auch 😂)


Aber für mich ist Gesangsunterricht mehr. Es ist Körperarbeit ohne psychologisches Blabla.
(Und versteht mich nicht falsch, ich liebe das psychologische auch und biete das ja zusätzlich an.)

Aber Gesangsunterricht ist für mich eine Art Körpertherapie ohne Therapiegefühl.

Wie das aussieht?

Bevor wir überhaupt singen, regulieren wir erstmal das Nervensystem.
Wir kommen im Körper an, schütteln Spannung vom ganzen Tag ab (viele haben abends ihre Stunden, aber das gilt eigentlich immer).
Wir bringen dich in einen Zustand, in dem du weder überspannt noch komplett unterspannt bist, einfach reguliert, klar, präsent.

Und dann erst kommt die Stimme. (Und du wirst überrascht sein, wie frei deine Stimme klingt, wenn du vorher dein Nervensystem reguliert hast und Spannung in Nacken, Kiefer, Zunge abgebaut hast). Die Ergebnisse, die ich damit erziele, sind wirklich brutal.)

Jede Übung, die wir machen, ist in Wirklichkeit Körperarbeit.
In dem Moment bist du mit deinem Bewusstsein so sehr bei dir:

Wie atme ich gerade?
Wie öffne ich meinen Mund?
Wie fühlt sich der Ton an?
Wo ist Spannung?
Was passiert, wenn ich loslasse?

Du bist so fokussiert auf diese kleinen körperlichen Dinge, dass du gar keine Zeit hast, über deine Struggles, To-dos oder Herausforderungen nachzudenken.
Okay, man denkt schon, aber eben über die Übung, nicht über sein Leben 😂

Und genau das ist Entspannung & Regulation in Echtzeit.

Und daraus entsteht Selbstvertrauen:
Dieses Gefühl von
„Ich hab gerade Kontrolle über meinen Körper.
Ich hab es geschafft, meine Stimme zu verändern.
Ich kann entscheiden, wie ich meine Stimme einsetzen möchte.“

Selbstvertrauen stärken mit Gesangsunterricht


Wenn du beim Lesen vielleicht gemerkt hast, dass dich irgendetwas darin trifft – dein Körper, deine Stimme, dieses Thema Selbstvertrauen – dann ist das kein Zufall.
Wir spüren ziemlich genau, wo etwas für uns stimmt.
Und oft ist es weniger ein „Ich muss das machen“, sondern eher so ein leises inneres:
„Ich glaube, das könnte mir gut tun.“

Du musst dafür nicht singen können.
Du musst nicht „bereit“ sein.
Es reicht, wenn du neugierig bist auf das Gefühl, das entstehen kann, wenn Körper und Stimme wieder zusammenarbeiten.

Wenn du das erleben möchtest, kannst du gerne in eine Probestunde kommen.
Ganz ohne Druck.
Wir schauen einfach gemeinsam, was deine Stimme braucht.

Ich freu mich, dich kennenzulernen – und dir zu zeigen, wie du mit deiner Stimme mehr Leichtigkeit in dein Leben bringst. Denn Singen ist so viel mehr als Töne treffen.

Über die Autorin

Gesangscoach stellt sich vor

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert